Soft Commodities – die große Wende?!

 

Im Jahre 1991 erschien John Murphys Buch „Intermarket Technical Analysis“, zu deutsch „Technische Intermarket Analyse“. Es gilt noch heute als Standardwerk eines neuen Ansatzes der technischen Analyse und zeigt sehr anschaulich auf, wie sich fundamentale Zusammenhänge zwischen Märkten, die häufig mit einem unbestimmten „time lag“ verlaufen, mittels technischer Analyse gewinnbringender nutzen lassen.

28 Jahre nach dem Erscheinen von Murphys Buch haben sich die Finanzmärkte insofern verändert, dass es mehr „marktbestimmende“ Teilnehmer gibt. Dies sind insbesondere große Hedgefonds, in jüngster Zeit aber auch immer mehr passive Investmentvehikel wie Themenfonds und/oder ETFs. Daraus entstehen Zusammenhänge zwischen Märkten, die keine fundamentale Grundlage mehr haben (ein wesentlicher Unterschied zu den Beobachtungen von Murphy). Nichtsdestotrotz können diese Zusammenhänge ähnlich gute Signale liefern.

Ein solches Signal wollen wir in der heutigen Analyse aufzeigen. Es spielte sich im Bereich der sogenannten „Soft Commodities“ ab. Zu den Soft Commodities zählen unter anderem Kaffee, Orangensaft, Baumwolle, Getreide, Kakao oder Zucker. Offensichtlich Märkte die fundamental nur geringe Zusammenhänge haben sollten (lediglich vergleichbare Anbaugebiete könnten über das Wetter einen fundamentalen Zusammenhang entstehen lassen), die aber heutzutage dem Einfluss von „Themen“ unterliegen.

Im ersten Halbjahr diesen Jahres war ein gewinnbringendes „Thema“ an den Finanzmärkten die Schwächeneigung von Soft Commodities. Die Verluste vieler „Softs“ lagen oberhalb von 20 Prozent. Entsprechend wiesen Ende Juni 2017 viele dieser Märkte im COT-Report (einem Bericht über die Marktpositionierung großer Marktteilnehmer) hohe Shortpositionen etwa bei Hedgefonds aus. Starke Trends enden häufig mit einer „Erschöpfungsbewegung“ (Aufwärtstrend) oder einem panikartigen Ausverkauf (Abwärtstrend). Bei den Soft Commodities besteht eine gute Chance, dass der 22.06.2017 ein solcher Paniktag war. Hierzu einige Charts (wir haben den interessanten Punkt jeweils eingekreist.

chart-kaffee

Chart Orangensaft

Chart Zucker

 

Alle drei Charts (von fundamental völlig unzusammenhängenden Märkten) zeigen jeweils mit einer eigenen Note, aber in der Sache unverkennbar, den finalen Ausverkauf am 22.06.2017 gefolgt von einem großen Kaufinteresse am 23.06.2017.

Die Kerzenkombinationen auf Tagesbasis stellen in allen drei Beispielen klare Kaufsignale dar, die sich in den Folgetagen durch Anschlusskäufe bestätigten.

Nicht nur die Möglichkeit für ein Ende der Schwächephase bei Soft Commodities ist aus unserer Sicht durch dieses seltene Phänomen einer Serie von Kaufsignalen in unterschiedlichsten Märkten nun sehr hoch, sondern auch die Chance auf die Ausbildung eines längeren Aufwärtstrends. Um diese Ansicht zu unterstreichen, werfen wir noch einen Blick auf eine Untergruppe der Soft Commodities – Getreide. Alle drei großen Getreidemärkte Weizen, Soja und Mais tendierten im ersten Halbjahr 2017 ebenfalls leicht schwächlich oder seitwärts, waren im „Soft Commodity Komplex“ aber insgesamt eher stabile Märkte. Aus technischer Sicht zeigten sie relative Stärke. Sollte nun der gesamte Bereich drehen, wäre es aus technischer Sicht ein sehr gutes Zeichen, wenn diese „Marktführer“ nun auch auf dem Weg nach oben auffällig wären und genau dies ist der Fall.

Chart Weizen

 

 

In beiden Charts ist auffällig, dass es eine Woche nach der Trendwende bei den Softs zu starken Anschlusskäufen kommt. Weizen als relativ stärkstes Soft Commodity explodiert hierbei am 29.06.2017 förmlich.

Als Investor ergeben sich aus diesem Bild zwei interessante Investitionsmöglichkeiten. Zum einen scheinen Longpositionen im Bereich vieler Softs (unsere Favoriten sind Kaffee und Zucker, da dort die Shortpositionierung der Fonds besonders groß ist) mit einem Stopp unter dem Tief vom 22.06.2017 mittelfristig sehr chancenreich zu sein, zum anderen hat die Wende bei Soft Commodities über die Intermarket-Beziehung auch Einfluss auf die Zinsmärkte, da ein längere Anstiegsphase der Soft Commodities inflationstreibend wäre. Dies würde eine mögliche Zinswende (die sich mittlerweile ebenfalls in den Charts abzeichnet) deutlich unterstützen, da dies die Zentralbanken in ihrem Weg einer Zinsnormalisierung stützen würde und damit wären wir zum Ende dieser Analyse beim klassischen Thema der Intermarket Analyse von John Murphys angekommen. Dem dominanten Einfluss von Rohstoffmärkten auf Zinsmärkten!