Schweizer Franken - Gefahr für Bunds?!

 

Seit zwei Wochen steigt der Euro gegen den Schweizer Franken massiv.

Chart Schweizer Franken
Chart Schweizer Franken

Niemand dürfte sich darüber so sehr freuen wie die Schweizer Nationalbank (SNB). Zum einen kommt sie damit ihrem offiziellen Ziel, eines Endes des jahrelangen Aufwärtstrends des Franken deutlich näher, zum anderen hält die SNB in ihrer Bilanz sehr große Bestände an Eurowertpapieren, vor allem in Form von Bundesanleihen. Deren Wert durch den Anstieg des Euros erheblich steigt.

Werfen wir an dieser Stelle einen Blick auf den Langfristchart des Franken zum Euro:

Chart Schweizer Franken / Euro
Chart Schweizer Franken / Euro

Über drei Jahre hatte die SNB die Schwelle von 1,20 Euro verteidigt, um den Preis einer immer schnelleren Ausweitung ihrer Bilanz und dem Aufbau erheblicher Fremdwährungspositionen in Dollar und Euro. Vielen Anlegern dürfte noch die Panik aus dem Januar 2015 bekannt sein, als die SNB den Kampf um die 1,20er Marke aufgab. Der Euro kollabierte innerhalb von Minuten um 30% und mehr gegen den Franken.

In den letzten zweieinhalb Jahren hat die SNB in unregelmäßigen Abständen unterschiedliche Interventionen zugunsten des Euros durchgeführt und somit zumindest eine Tradingrange von 1,05 bis 1,12 Euro/SFR verteidigt – auch um den Preis einer deutlichen Bilanzausweitung was wiederum zum politischen Druck auf die SNB führte, dass ihre Bilanz nicht beliebig wachsen könne.

Zielinstrumente der Interventionen waren europäische Anleihen und hier vor allem Bundesanleihen. Die SNB kaufte also zur Frankenschwächung mit gedruckten Franken im großen Stil Bundesanleihen und andere europäische Anleihen.

Mit dem deutlichen Anstieg der letzten Tage nähert sich der Franken wieder der alten Verteidigungslinie von 1,20 Euro und damit nimmt der Deflationsdruck auf die Schweiz genauso ab wie der Wettbewerbsnachteil der letzten Jahre. Die SNB beginnt ihre geldpolitischen Ziele zu erreichen.

Damit stellt sich die Frage wie die SNB hierauf reagieren wird. Es besteht aus unserer Sicht eine nicht geringe Chance, dass die SNB ihre Interventionen zugunsten des Franken nicht nur beendet (und damit den Kauf von Euroanleihen einstellt), sondern dass sie insbesondere bei einem Erreichen der 1,20er Marke beginnen wird ihre Chance zu nutzen und ihre Bilanzsumme durch den Verkauf von Euroanleihen wieder verkleinert.

Für Bundesanleihen würde damit nicht nur ein starker Nettokäufer der letzten Jahre zu einem Nettoverkäufer werden, sondern diese Aktion der SNB könnte zeitlich mit einer ersten klaren Erklärung der EZB zu einer baldigen Begrenzung von QE im Herbst diesen Jahres zusammenfallen.

Aus unserer Sicht ist dieses Szenario ein potentielles Crashszenario für Bundesanleihen!